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Philipp Otto Runge

An Daniel


2,213 # 23. April 1803

An Daniel


--- Nun ist es mir doch lieb, daß wir Besser in Leipzig sehen
werden; wir reisen nämlich Dienstag über acht Tage, d. i. den 3. May von hier ab, mit der Mutter, um den
Vater wieder von der Messe zu holen, und ich habe an Besser nach Q. geschrieben, daß er doch ja Lottchen
mitbringe. --Ich werde ihm das ganze Werk, das von mir herauskommen soll, mitbringen und zeigen. Aber
zu euch bringt er nichts mit, denn nun muß ich einmal den Hut auf ein Ohr und die Hand in die Seite setzen;
ich meyne so, lieber Daniel; Wenn ich euch Skizzen vorher schicke, so ist's einmal nicht anders, die Kenner
bey euch fangen darüber zu urtheilen an, und auf alles Urtheilen wird bey diesen Sachen nicht gehört nur auf
mein eigenes; und durch das zu frühe Urtheilen möchtet ihr in Vorurtheile fallen, die euch nachher illudirten.
Besser kann euch erzählen; denn die Hauptsache bey der Herausgabe ist, daß Männer wie Hardorf und
Tischbein mich mit andem Augen ansehen lernen sollen. Mit dir und euch Andem hat es keine Noth, wir
verstehen uns schon. --Ob die Sachen dann grade die große Würkung haben werden, daß jene Leute mich
verstehen, das lasse ich in dubio; aber daß es interessant, und daß es abgehen wird, daran habe ich gar
keinen Zweifel. ----Ich werde die Platten selbst bestellen bey dem Mann, der sie hier macht. Krüger, der
Kupferstecher, ist ein Mann, dem meine Ideen sehr einleuchten, und der es mir nicht übel nimmt, wenn ich
ihm in die Arbeit einrede; so bin ich auch selbst dabey ! --Du wirst es selbst einsehen, daß es für mich
nothwendig ist, eher keinen Fuß in Hamburg zu setzen, als bis die Sachen heraus sind. Künftige Woche
habe ich noch die beiden, noch nicht fertigen Rahmen zu machen u.s.w.

----Ich will dir sagen, wie es gehen wird mit den vier Zeichnungen. Die etwas von der Christlichen Religion
halten, nur etwas ernsthaft, wenn sie auch noch so ohne Kenntniß und Einsicht in Hinsicht der Kunst sind,
werden es doch verstehen; aber alle, die aufgeklärt sind, werden's verdrehen, die Probe hab' ich in Händen.
Der alte Bassenge ist sehr begierig darauf und ich habe mir bloß durch ein paar Worte, die ich darüber sagte,
großen Respect bey ihm zuwegegebracht. Er sagte neulich: "Nun ist's doch gut, daß wir den Runge haben,
da kann man doch einmal ein Wort über die Religion sprechen, und braucht sich nicht zu geniren, wie bey
andern Leuten."


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