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Philipp Otto Runge

An Friedrich Perthes


An Friedrich Perthes Dresden den 30 März 1803

An Friedrich Perthes


Mein lieber Perthes
Das Model zu den Becher werde ich sehen nach Leipzig mitzubringen; Rittnes, der Kupferstichhändler, der wieder da u. nicht in England gewesen ist, wird mir aus seinen Vorrath Bouhanale aussuchen lassen, die ich mit zu hause nehmen und hier zeichnen lassen kann. mit den Modelschneider werd ich auch schon fertig werden und alles schön zu arrangiren suchen. Die Abdrücke von Mamsel Lippert werd ich auch mit nach Leipzig senden oder besser ich schicke sie an Enoch, so könt ihr sie mit Gelegenheit früher haben, wann ihr wolt, von Friesen hab ich jetzt 300 Rh für fr. v. Münster erhalten, den Abend vorher wie ich wieder zu hause kam 4 mahl zu mir geschickt, den andern Morgen war er verreist und wird erst im August wieder kommen. ich hab ihr Quittung auf abschlag deiner Anweisung lautend darüber gegeben und die Anweisung noch bey mir. von andern gelde, wo von D(anie)l neulich schrieb, hat sich noch nichts spüren lassen.
+Liebes Kind, ich wolte dir nun noch gerne recht viel sagen und schreiben, aber ich arbeite jetzt gar gewaltig und das ist ein angreifende sache. ich muß mich mit meinen Sinen ein bißchen sehr darauf concentriren. Es kommen so immer ungebethene Gäste, die die sachen besehen und den zusammenhang wissen wollen und ich bin dan(n) auch so gut mütig oder ängstlich, daß ich glaube, sie mögten böse werden, wenn ich es ihnen nicht so deutlich wie möglich und um mich dan(n) kurz zu fassen, concentrire ich meine Ausdrücke, so daß ich zwar Zeit gewinne, aber nach so einen Besuch der mich meistens mitten in der Arbeit trift, ganz matt werde zu arbeiten, denn die leute meinen dann, ich müst es auch woll wissen wie sie es machen müsten aus den unbestimmten treiben herauszukommen was sie an sich haben, und fragen mich um rath, entdecken mir ihre herzensangelegenheiten, fragen mich, wie Gott es denn woll recht gemacht hätte, wie er die Welt erschaffen und was er damit gemeint, daß die Welt hätte schlimm werden müssen, sind nicht damit zufrieden, daß der weg aus den Erbärmlichkeiten sich herauszureißen da ist, sondern wollen nun auch wieder wissen, was den(n) aus den Teufel werden soll, wenn ihm nun so alles entgeht. Ich tröste mich den(n) blos damit, daß es wol zu meiner Arbeit mit gehört, aus zuhalten und sie so abzurichten, daß sie die fragen an sich selbst thun müssen und so laß ich sie gehen. darüber vergeht aber Zeit und lust an euch mehr zu schreiben, was ich weit lieber thue, ich sage aber mit Pauline dann zu mir, Gott lob nun ists bald überstanden, diesen Sommer muß die Arbeit noch recht heftig vor sich gehen, dann glaube ich fertig zu sein, mit dem was dazu gehört zu euch zu kommen, du sagst recht, es läßt sich nichts bestimmtes übernehmen und sagen ehe ich da bin, dann aber desto mehr, sieh, wenn ich es so einrichten könnte, daß das, was du mit recht an Hardorff fürchtest, daß ich vor kurzen sein Schüler gewesen bin, daß Tischbein so viel älter, so viel mehr gesehen, daß das Publicum nicht dazu gestimmt ist auf Kunstprojecte groß zu achten, daß es besser wäre, die sachen bei Frauenholz erscheinen zu lassen. wenn ich alles das mit einen schlag breit schlagen könte es gehört ein groß breit stück dazu, sey aber so lange still und warte mahl ab wie groß es ist wenn es heraus ist. und dann bey alle dem die bescheidenheit, ich meine die wirkliche, gegen Gott, nicht aus den Augen gesetzt!+
Ich merke schon daß der alte B(assenge) noch mein allerzärtlichster freund wird, er will nur nicht den ersten schritt thun und wartet darauf, daß ich mich erklähren soll. Sontag traf ich sie auf dem Lande, da nötigte er mich zu ihnen zu setzen, hernach sagte ich zu Pauline, es wäre wol besser, ich ginge früher weg wie sie, sie meinte es auch, da bat er mich, ich sollte doch mit ihnen hereingehen, paßte aber immer auf, wenn ich und P:(auline) etwas zu geschwind oder zu langsam gingen, ich hatte Pauline wie ich sie neulich mit der Mutter auf die Ausstellung sprach die minnelieder gegeben, und so wie ich sie nach der reise geschrieben verstand sie mir recht gut, da fragt sie mir am sontag, sagen sie mahl wie alt sind die alten lieder?
ich freue mich gewiß noch mehr darauf, wenn ich erst mit ihr bey euch seyn werde, es ist doch wahr, ein recht ordentlich spaßhaftes leben wo recht was dahinter ist, wie wirs meinen, verstehn doch die leute nicht, aber die Pauline verstehts, sie ist doch ganz erstaunlich fix.
Gib doch einliegende Probe Baumwollgarn an Daniel. Mama Graff wünschte von dieser Sorte, welches die grobere von den letztgesandten ist, 8 Pfd. wenn aber 8 Pfd. nicht anginge, 10 Pfd., daß sie zur L(eipziger) Messe mit kommen konte zu haben hie bey. in Verfolg meines letzten noch einige von den Minneliedern. #104
Grüße die Caroline doch heftig. Tieck sein frau hat mir besonders aufgetragen sie zu grüßen. unter dem heftigsten Ausbruch von Grüßen und Küssen Dein Otto.

104 | Die Minnelieder befinden sich nicht mehr in Perthes Nachlaß.



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