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Philipp Otto Runge

An Daniel


2,165 # 21. November 1802

An Daniel


Mein allerbester Daniel, jetzt gehe ich ordentlich mit
Freuden und Begierde daran, dir recht viel zu schreiben, so wie mir der ganze Himmel jetzt voll Geigen hängt
und mir alles wie meine Pauline anlacht. O lieber Daniel, müßte ich es dir doch nicht erst schreiben ! aber ich
muß es wohl, denn sonst wirst du aus den Uebergängen von der dumpfen Traurigkeit meines vorigen zu den
himmelhohen Sprüngen dieses meines geliebten Schreibens durchaus nicht klug.--------So ist denn nun
alles wieder rosenroth in mir und mein Bild soll und muß nun gut werden. Bey all' dem muß ich zu mir
heimlich sagen: womit hast du alle die Seligkeit verdient? Ich bin's nicht werth und wie kann man so etwas
verdienen? Ich schäme mich vor Gott, wie ich habe so verzagt seyn können, und will mich meines Glückes
nicht überheben, sondern hübsch fleißig seyn.

-Ich kann dir deinen Brief nicht beantworten heut; Über die Kunst kann ich dir nichts sagen, ich bin nicht so
recht bey mir. Lieber, es ist doch gewiß, daß ich alles immer gegen dich sagen muß, ich meyne damit: zu dir,
denn wen hab' ich sonst? ---Daß meine Ideen, wie Speckter sich entzückend meynt, als solche sehr
richtig, und für jeden richtig sind, das weiß ich wohl. Das eben ist es, worauf ich hinaus will, und Tieck auch,
daß sich die Künstler bloß über die sen Punct, der allgemein ist, immer mehr verständigen sollten, daß sie
den immer mehr zu ergründen suchen sollten; völlig zu ergründen ist er nicht und daß es Vielen und
Manchem wie Böhmische Dörfer vorkommen muß, wenn seine Kunst, die er so eben treibt, ohne was dabey
zu denken, aus diesem Zusammenhang herkommen soll, weiß ich wohl; aber was ist da auch für ein Stück
da zwischen ausgehauen? und das zu restauriren ist der Plan, den ich habe; wie das zu machen, werd' ich
euch zeigen in Zukunft.



Papa Claudius seine Ankündigung seines siebenten Theils hat mich ganz unbeschreiblich erfreut. Das
meyne ich mit ihm, daß es ein Schriftsteller (und ein Künstler auch) selbst wissen muß, was er will, und es
nicht von Andern erst erfahren soll.--

Mit den Kunstfreunden in Weimar --: Die Sache war recht gut im Anfange, wenn man da voraussetzen
konnte, daß ihnen ein weit größerer Umfang von Kenntnissen zu Gebot stand und sie nur erst etwas
herausließen; aber so ist das die allergrößte Extension gewesen und die sie am Ende bloß als Idee hatten
und die nun immer einseitiger wurde. -Denn zuerst glaubte man doch, daß sie von allen den Forderungen
euch den Grund angeben würden; sie haben aber eben die Sache auf eine individuelle Ansicht und Meynung
ohne festen Grund gebaut, und wer sich so ernstlich gebehrdet und so wichtig thut, wenn er auf den Sand
baut, der ist es billig werth, daß sein Haus bey der ersten Ueberschwemmung wegtreibt. Darum möchte ich
die Sache auf einen FeIsen gründen, auf den Felsen unseres Glaubens an Gott. Qualm bleibt doch nur
Qualm und wenn wir tausendmal durch eine Laterna magica Figuren hineinzeichnen, es geht in Nichts
zurück, sobald das Feuer aus ist, davon der Rauch aufstieg. Davon soll mich kein Mensch abbringen, daß
die Kunst nicht etwas Bestehendes sey außer dieser Welt. -Denn das ist kein Beweis, weil sie jetzt
Spielerey ist, daß sie es seyn muß; was ist denn jetzt wohl Ernst ? aber die Zeiten regen sich gewaltig und
eine schöne Zeit muß geboren werden. Adieu, du Lieber, ich drücke dich an mein Herz; wir wollen
festhalten an unserm Glauben an einander; was wir in uns haben, ist das Wahre, und den Schein wollen wir
gerne fahren lassen. Dein Otto.


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