Philipp Otto Runge
An seine Schwester Maria und seinen Bruder Carl
An seine Schwester Maria und seinen Bruder Carl
-- Die Leute sagen mir bisweilen, da sie sehen, daß ich mein
Bild so recht ausführen will: wenn ich nur nicht kalt darüber werde und das rechte Gefühl verliere ! Sie wissen
es nur nicht, daß es immer ihr Bild ist, das ich in jedem Eichenblatt mahlen möchte, daß ich immer nur ihre
Seele in jedem Gedanken denke, daß ich nur immer einen kleinen Theil von dem ausspreche, was ich immer
zu mir selbst sage. -Es ist aber unmenschlich, welche Geduld man haben muß, und doch wäre man ein
Esel, -wenn man sie nicht hätte. Ich hatte neulich Zahnschmerzen, da übte ich mich, zu lachen, das ist
ungefähr so ein Experiment, als in meiner Lage ruhig zu seyn. -
Liebe Maria -es wäre gewiß so übel nicht, wenn du einmal hier seyn könntest; nicht meinetwegen, da hat es
seine gewiesenen Wege und geht's wie es kann, aber deinetwegen möchte ich es; es sollte dir gewiß
gefallen, und es muß sich ein jeder mehr selbst verstehen lernen, der auf die Weise, wie es sich gehört, mit
den Kunstwerken bekannt gemacht wird; und auch die ganze Natur spricht hier wieder dasselbe aus.
An Carl
Lieber Carl, wenn du doch deinen
Vorsatz ausführen könntest, einmal her zu kornmen ! Denkt doch, Kinder, denkt auf recht was eclatantes !
Soll ich euch einmal sagen, wann alles eine andre Wendung nehmen wird ? Wann ich mein Bild fertig habe !
Das habe ich mir so ausgedacht, und warum? das wird sich dann zeigen; habt nur den rechten Glauben und
begnügt euch mit keiner kleinen Hoffnung. -Grüßet unsre Mutter viel tausendmal.
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