Philipp Otto Runge
An Daniel
An Daniel
-- Ich habe mich nun so ziemlich wieder besonnen, denn
zuerst wie ich hieher kam und sahe unseres lieben Vaters und Jacob's Beschäftigungen, wollten mir die
meinigen nicht recht ein. Daran ist aber wohl am meisten mit Schuld gewesen, daß ich eigentlich über die
meinigen mit niemand so recht sprechen konnte. Sonntag aber kam St. mit Jacob von Anklam hier und blieb
auch den Montag. -Hernach fing ich an, hier Portraite zu machen und bin nun wieder sattelfest. In Dresden
werde ich, wie du weißt, diesen Sommer viel nach den Antiken (Gypsabgüssen) zeichnen, dazu finde ich hier
vielleicht Abnehmer, die sich auf meine Ehrlichkeit, daß ich ihnen nichts schlechtes schicken werde,
verlassen wollen. Auch habe ich mit dir in Hamburg nicht darüber 330 sprechen können., was in Zukunft
geschehen könnte. Eiffe ist dort, wie du weißt, ordentlich Gesell, er will in Hamburg Meister. werden, und
wenn ich einst wieder hinkomme, schmissen wir uns zusammen und ich wür -de bey ihm Gesell, so könnte
ich auch zum Meister gelangen. Dies ist immer eine ziemlich sichere Aussicht; wie und was sonst kommen k
ann, darauf kann man ja nicht rechnen, auch nicht (ja am allerwenigsten) darauf, daß ich ein sehr
großermannwerden sollte, der überall sein Brod fände. --
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