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Philipp Otto Runge

An Daniel


Kopenhg 2,053 # 1. Juli 1800

An Daniel


-- Ich mahle jetzt eifrig, doch kann ich von Juel sehr wenig lernen, weil er eine Manier hat, die außer aller Manier liegt; daß er etwas leistet, kann bloß auf Rechnung seines Genie's geschrieben werden. Ich halte mich an die Theorie, die ich , mir vorher davon zusammengelesen, und laure ihm nur ein zelne Griffe ab.
-Den 19. Ich habe mir schon ein Gewissen daraus gemacht, daß ich gar lange nicht geschrieben, aber es
konnte doch nicht viel anders seyn, es ist überhaupt seit kurzem vieles in mir los geworden, das ich schon
völlig fest glaubte, und das zieht mich wieder so sehr nach Hamburg -auch trägt der Anfang im Mahlen dazu
bey. Oft werde ich so verzagt, daß ich nichts zu denken weiß und stehe wie vernagelt. Daher geht es auch so
langsam mit der Beschreibung unsrer Helsingörer Reise in Pfingsten, die je doch zu Stande kommen wird.
Deine Erzählung von Speckter's Hochzeit ist mir sehr nahe getreten; ich war nur bey der Fabrication der euch
dazu eingesandten Verse nicht so spaßhaft zu Muthe, wie du denkst. Ich arbeite den ganzen Tag, und wenn
mich Abends das schöne Wetter herauslockt, steht mirs vor, daß ich so wenig schaffe. Juel ist sehr mit mir
zufrieden, das macht mich verwirrt; zu Hause freuen sie sich über meine Arbeiten, das ärgert mich; und ihr
freut euch gar über mich selbst, das macht mich betrübt; kommt man zu Leuten, soll man lustig und spaßhaft
seyn, das geht mir an die Seele, -ich habe mich selbst zum Besten und sehne mich nach einem
Gegenstande, den ich nie finden werde. Lebe wohl, lieber Daniel, ich will es mir vorsagen, daß ich ein Mann
bin, ich habe dir nichts mehr zu sagen.
- Den 16. August -- Ich danke dir, lieber Daniel, für deinen guten Trost und daß du mich wieder in mich
selbst zurückfährst. Ich bin oft ganz caputt, dazu kommt wohl auch die abscheuliche Hitze, die wir diese, Zeit
gehabt, und die ich, wie du weißt, gar nicht vertragen kann, und -über dem Mahlen sitzt man so ganz allein,
es wird mir die meiste Zeit schon grauen, wenn ich anfange, und wenn ich mich nun vergaloppiere, weiß ich
mir nicht zu helfen. Juel ist diese Zeit sehr wenig da, mein College Böhndel hilft mir noch am meisten. Er
sagt, daß es ihm irn Anfange eben so gegangen; das ist nun eben kein Trost, aber doch etwas; er macht mir
soviel Muth, als er kann. Wenn wir nur etwas rechtes zu copieren hätten! Auch macht es mir Kummer, dass ich nichts verdiene; ich will aber nur soviel möglich dahin arbeiten, dass ich etwas gründliches lerne; ob ich hernach ein Mahler werde, darüber mag Gott walten. Laßt mich nur in dem Vertrauen zu euch und zu mir selbst bleiben!


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