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Philipp Otto Runge

An Daniel


Kopenhg 2,045 # 6. u 7. März 1800

An Daniel


Lieber Daniel, ich schreibe dir heut, weil ich grade noch
im besten Feuer bin, dir zu sagen, was mir jetzt eine bestimmte Richtung in meiner Wahl für einen
zukünftigen Aufenthalt, und eine schöne Zukunft zu hoffen, giebt. Ich bin heute Morgen bey der Brun
gewesen. Sie war bekümmert, wie ich doch auf den besten Weg kommen und immer auf dem besten
bleiben werde, und wünschte so sehr, daß ich von Tischbein, der jetzt in Leipzig angestellt ist (es ist würklich
der Neapolitaner) Anleitung im Mahlen haben möchte. Sie schilderte mir ihn als einen ganz vorzüglich guten
Mann, der alle seine Schüler, wenn sie auch nur Lust, besonders aber wenn sie Talent zeigten, auf die beste
Art unterrichtete. Auch hat sie mir zwey Köpfe nach antiken Büsten gezeigt, die unter seiner Aufsicht gemahlt
wären, Sie bat mich, nur so bald als möglich von hier zu gehen. Mit der Composition, die ich für Schmidt
gemacht, war sie sehr zufrieden, sagte auch verschiedenes (das nicht von weit her war) über das Practische
der Kunst, und so fortan. Zulezt bemerkte sie noch, daß ich auch sehen sollte, daß ich bald dahin käme,
selbst etwas zu verdienen; daß die Kunstwerke bezahlt und wie sie bezahlt würden, sey eigentlich noch das unparteylichste Urtheil, was man jetzt im Allgemeinen hätte; worin sie so ganz unrecht wohl nicht hat. Sie
versprach mir darauf, Wenn ich ihrem Rath folgen und nach Leipzig zu Tischbein gehen wolle, mich gewiß
an diesen nicht gewöhnlich zu empfehlen; sie sey gewiß, daß ich keine so gute Leistung mir durch irgend
einen andern versprechen könnte, als wenn ich, wie sie es sicher glaube, dadurch unter seiner unmittelbaren
Aufsidit zu arbeiten kommen könnte. - Der Mahler Lorenzen ist eigentlich ein Landschafter und wollte gern mir Unterricht geben; wie er aber hörte,
daß ich nicht so lange mehr hier bleiben wolle, sagte er, daß er dann mir nicht rathen könne, noch
anzufangen, was doch nicht eher geschehen könne, bis es wärmer würde, und wenn ich dann nur so kurze
Zeit hier bliebe, würde ich nichts mehr profitiren können. Er war sehr freundschaftlich; es werde ihm stets lieb
seyn, wenn ich ihm meine Zeichnungen zeigen wolle; und wenn ich, wie ich hoffe, bey Tischbein zum
Zeichnen käme, so könne er mir nichts besseres rathen. Ich solle hier nur noch diesen Monat recht tüchtig
nach den Antiken zeichnen, und dann machen, daß ich weg käme. Er gab mir auch die ErIaubniß, ihm beym
Mahlen zuzusehen.
Dieser ganze Plan hat mich sehr eingenommen. Daß es keine -Kleinigkeit wäre, wenn ich gradezu unter
Tischbein's Aufsicht seyn könnte, werdet ihr einsehen, und dies ist das nun, worüber ich mir bei der Brun
noch bestimmter Bescheid und Erklärung ausbitten möchte. Daß ich hier nicht mehr anfangen kann zu
mahlen, sehet ihr, ich kann aber das Zusehen haben. Nun ist Tischbein grade auch einer der besten jetzt
lebenden Componisten und es würde mir auch darin nützlich seyn. Denke ich noch weiter, so ist, wenn ich
einen guten Anfang gemacht habe, Dresden nahe zur Hand, . -a --geht auch im Herbst dahin zurück und
würde mich dort mit Gareis und allen Andern bekannt machen; wenn ich also an Jacob's Zimmer denke, so
könnte ich auch hierfür mich dieses doppelten Glückes in L. und Dr. erfreuen u.s.w. Kurz, ich verliere mich
hier in einer Aussicht, daß ich mich selbst kaum wieder finde, und es kommt bloß noch darauf an, was ihr
dazu meynt. Die Erfahrung habe ich hier gemacht, daß es auf gute Bilder noch nicht so sehr ankommt, als
auf gute Führung, und die Bilder werden doch in L. auch nicht so ganz fehlen. Ich würde, auf Juel's und
Lorenzen's Rath, gleich von hier gehen, wenn es nicht 11° fröre; im Sonnenschein ist es freylich etwas
wärmer --. Wenn ihr also nichts dagegen habt, so bin ich gewiß Ostern,bey euch; oder wann geht Besser
nach Leipzig zur Messe? --

Den 7.März . Ich sehe, daß ich hier oben gestern im Feuer gewesen, und darüber das schlimme, was doch
auch dabey seyn würde, nicht eingestanden habe. -Nun war ich gestern wieder bey . . a . ., der hat mir jetzt
erst gesagt, daß er ein ganz intimer Freund von Gareis sey, und mir etwas anderes vorgeschlagen, das wohl
eigentlich noch besser wäre. Gareis ist jetzt mit sein ein Bruder zusammen in Wien. Was dieser Gareis ist,
wird Herterich auch sagen können; Aldenrath floß in Hamburg von seinem Lobe über, wie auch Hardorf,
obgleich dieser ihn nur bey seinem Entstehen gekannt hat. Sein Farbenauftrag soll etwas ganz
außerordentliches seyn, auch hat er jüngere Leute, die von ihm gelernt, in einem Jahre ungemein weit
gebracht. An diesen, so wie an seinen Bruder, wollte mir. . a . ., wenn ich nach Wien gehen wollte, einen
Brief mitgeben, und er würde, da er ein sehr guter Mensch sey, mich gewiß auf's beste fördern. Wie nöthig
es ist, gleich anfangs die beste Methode des Farbenauftrags zu haben, seht ihr so gut wie jeder ein. Der . . a.
. meynt auch, da Gareis ungefähr erst im gleichen Alter mit mir sey, so würde der Unterricht noch mehr
Vortheil haben und wir würden gewiß sehr gute Freunde werden (daß ich mich schon längst nach diesem
Gareis gesehnt, nur beyläufig.) Die Einrichtung der Wiener Akademie ist ganz vortrefflich u.s.w. Unter diesen
beiden Vorschlägen ist, wie ich glaube, nur zu wählen; ich überlasse euch die. nähere Untersuchung und
Entscheidung; obgleich ich gradehin den Iezten wählen würde, so kann einem unparteyischen Richter doch
auch der erstere eben so gut dünken. -Ich freue mich unendlich, euch alle wieder an mein Herz drücken zu
sollen --


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